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Systemisches Coaching als GameChanger

Als ich zum ersten Mal von systemischem Coaching hörte, hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Ich hatte zuvor zwar einige Erfahrungen mit anderen Coaching-Methoden gemacht, diese waren im Gegensatz zum systemischen Ansatz aber alle sehr auf mich als Einzelperson ausgerichtet und folgten einer weniger holistischeren Betrachtungsweise als derjenigen, die ich im systemischen Coaching kennenlernen durfte.

Die wichtigste Besonderheit des systemischen Ansatzes ist für mich, dass er sich auf die Interaktionen innerhalb eines Systems konzentriert. Dieses System kann alles Mögliche sein, beispielsweise eine Familie, ein Unternehmen oder eine Gemeinde. Zugegeben war ich anfangs relativ skeptisch, ob diese Methode für mich als Einzelperson überhaupt relevant sein würde, wenn nicht nur ich derjenige bin, um den sich der Prozess dreht.

Als ich im Zuge des Studiums anfing, mich tiefer mit systemischem Coaching zu beschäftigten, begann ich zu verstehen, wie wichtig es sein kann, unsere Interaktionen mit anderen zu verstehen. Denn letztendlich beeinflusst jede Handlung, die wir ausführen, auch unser Umfeld und umgekehrt. So kann es beispielsweise sein, dass ein Konflikt mit einem/einer Kolleg*in in Wahrheit durch ein tieferliegendes Problem innerhalb des Unternehmens hervorgerufen wird und nicht in erster Linie durch die Personen selbst.

Während des systemischen Coachings habe ich gelernt, Interaktionen zwischen mir und anderen auf eine neue Art zu betrachten. Statt nur auf meine eigenen Handlungen zu achten, betrachte ich nun auch, wie meine Handlungen sich auf mein Umfeld auswirken und wie das Umfeld wiederum auf mich zurückwirkt. Dadurch kann ich mich nun besser in die Situationen anderer hineinversetzen und habe mit der Zeit ein ganzheitlicheres Verständnis dafür entwickelt, wie man Konflikte lösen und Zusammenarbeit fördern kann.

Ein Beispiel, das mir dahingehend besonders in Erinnerung geblieben ist, bringt mich zurück zu meiner Zeit an Bord bei der Marine. In stressigen Einsatzmanövern war es wichtig, dass jedes Mitglied der Besatzung um seine/ihre Rolle weiß und diese entsprechend zuverlässig ausfüllt. Nur wenn sich aus diesen jeweiligen Rollen ein Team ergab, das Hand in Hand zusammenarbeitete und in dem jeder einzelne die Perspektive des jeweils anderen kannte und verstand, konnte die entsprechende Situation erfolgreich gemeistert werden. Wenn in der Interaktion nur eine Rolle nicht richtig mitzog, konnte eine Lage schnell für alle gefährlich werden.

Ähnlich ist es auch in unserer Interaktion mit anderen: Nur wenn wir uns bewusst sind, wie unser Handeln auf andere wirkt und wie sich ihr Handeln auf uns auswirkt, können wir eine harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit erreichen.

Durch das systemische Coaching habe ich weiterhin gelernt, wie wichtig es ist, verschiedene Perspektiven zu betrachten. Was ich vorher oft getan hatte, war, mich ganz primär auf meine eigene Sichtweise zu konzentrieren und darauf zu beharren, dass ich derjenige war, der recht hatte.

Das systemische Coaching hat mir gezeigt, dass es in den meisten Fällen mehrere  Betrachtungsweisen einer Situation gibt und dass es wichtig ist, diese alle zu berücksichtigen, um die bestmögliche Lösung zu finden.

Auch rhetorische Fragen haben mir in diesem Zusammenhang sehr geholfen, meine eigenen Denkmuster herauszufordern. Eine Frage, die ich mir beispielsweise heute immer noch oft stelle ist: „Wie könnte die Perspektive meines Gegenübers auf das Problem aussehen?” Mit dieser Frage ermutige und erinnere ich mich selbst, stets offen zu sein und den Blick für neue Ideen und Denkweisen nicht zu verlieren.

Zusammenfassend hat das systemische Coaching meine Sichtweise auf Interaktionen und Konflikte grundlegend verändert. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich auf das System als Ganzes zu konzentrieren, um individuell passende und nachhaltige Lösungen zu finden. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, verschiedene Perspektiven zu betrachten und die richtigenFragen zu stellen, um meine eigenen Denkmuster herauszufordern und zu hinterfragen.